Ich bin gekommen, Unruhe zu stiften.
Ihr sagt: ich bin ein Spinner;
Ich sage: ich bin THOMAS MÜNZER.
Ihr sagt: ich bin lange tot;
Ich sage: die Toten kommen wieder!

Ich bin gekommen, Unruhe zu stiften.
Ihr sagt: ich bin ein Spinner;
Ich sage: ich bin THOMAS MÜNZER.
Ihr sagt: ich bin lange tot;
Ich sage: die Toten kommen wieder!

Die TOTEN KOMMEN WIEDER!

Clowneske Blues-Messe für Thomas Münzer

Der Sohn Gottes entschließt sich, wieder auf die Erde zu kommen.
Doch hier merkt er, dass seine Wunder nicht mehr wirken.
Die Menschen haben den Glauben verloren
und sind stattdessen Getriebene der Neuordnung ihrer Welt.
Als Jesus seinem süßlichen Ersatz am Kreuz begegnet,
lässt er die Luft aus sich heraus und verwandelt sich in Thomas Münzer.Der die „Posaunen erfüllt mit dem neuen Lobgesang des heiligen Geistes.“

Unter Verwendung originaler Texte Münzers und Luthers.
In der Tradition der Mittelalterlichen Spielleute

Dauer ca. 80 Minuten
Open air!

Credits

Idee/Text/ Musik/Spiel: Utz Pannike
Dramaturgie/Regie: Jörg Isermeyer
Maske: Anna-Katharina Wirrmann

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‚die toten kommen wieder‘ feierte am Samstag in der Theaterruine „St. Pauli“ eine mitreißende Premiere
Der Ort der Arbeit im prekären Alltag

Deine Ewigkeit kotzt mich an!, schreit Jesus (Utz Pannike) Gott an. Der Messias hat nämlich die Schnauze voll von der gottgewollten irdischen Ordnung.

So kommt Jesus als Thomas Müntzer, Anführer des deutschen Bauernaufstandes, auf die Erde zurück, lehrt Adel und Klerus das Fürchten, stellt die gottgewollte Ordnung infrage.

Was wie ein Aufruf zur Revolution klingt, gerät bei Utz Pannike zu einer possenhaften Mischung aus beißendem Sarkasmus und genialem Slapstick-Humor.

Pannike steigert sich beim Kampf gegen die sprichwörtlichen irdischen „Windmühlenflügel“ in Ekstase, schlüpft in mindestens ein Dutzend Rollen – ist berlinernder Jesus, sächselnder Revoluzzer, bayerischer Bauer oder schwuler „Ersatz-Jesus“.

Bei der entscheidenden Bauernkriegs-Schlacht um Bad Frankenhausen treibt er sein Spiel mit bitterer Ironie auf die Spitze: als „Live Übertragung“ eines sportlichen Wettstreits zwischen einer Profimannschaft (Adelsheer) und Amateuren (Bauern).”

— Jörg Wienecke, Morgenpost 30.07.2001

Grabrede oder Spielmannsstück?

Passender hätte man wohl den Ort nicht wählen können: eine ausgebrannte Kirche, deren Ruinen nun als Theaterräume dienen. Darin: die Premiere eines Stückes, dass sich Spielmannsstück nennt und gleichzeitig etwas über die erhabene Persönlichkeit des Thomas Münzer erzählen will.

Kann das gut gehen? Utz Pannike, der Akteur des Ein-Mann-Stückes, setzt das fort, was er in Dario Fo’s „Die Geburt des Spielmanns“ so kompromisslos begann; denn ohne alle Zweifel ist er der geborene Spielmann.

In seinem neuen Stück „Die Toten kommen wieder“, bei dem Jörg Isermeyer Regie führte, geht es nun auch wieder um den erzählenden Außenseiter, der sich, so scheint es manchmal, nicht genau festlegen mag, ob er nun der Spielmann, Jesus oder dessen Reinkarnation Thomas Münzer ist, und so übernimmt er wieder alle Rollen, spielt Gottvater, der sich Dosenbier trinkend und maulend durch die Kanäle seiner Schöpfung zappt, spielt den MDR-Reporter, der live vom Bauernkrieg berichtet und weiß auch immer wieder mit dem Publikum zu spielen.

Nicht Religion als Entertainment sondern Entertainment als Religion. So schüttelt man Thomas Münzer im Vorbeigehen zwar die Hand, wer aber historische Detailtreue und ernsten Nachruf erwartet, sei gewarnt. Denn auch er ist nur ein Spielmann, wobei das „nur“ natürlich in Gänsefüßchen gehört, denn der Erzähler ist der eigentliche Schöpfer, der ständige Herr über Tod und Leben.

Das Ergebnis: Eine bunte Melange aus respektloser Clownerie und, so das Programmheft sehr treffend, „hanswurstigem Nekrolog“, das verbleibende bisschen Ernst kommt durch die Hintertür.

Eine vom Menschen verwurstete Schöpfung ist das, in dem sich der Zuschauer wiederfinden kann, alles, was ihm heilig ist, ist seine Couchgarnitur. Doch wehe! „Ich bin gekommen, um Unruhe zu stiften. Ihr sagt ich bin ein Spinner! Ich sage ich bin Thomas Münzer. Ihr sagt, ich bin lange tot. Ich sage euch: Die Toten kommen wieder.“

Na hoffentlich.

— Norbert Seidel, Dresdner Neueste Nachrichten 31.07.2001

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