Nathan zu dritt
+++ Drei schauspieler im überzeugungskampf
+++ kriminalfall nathan
+++ drei detektive mit den Waffen lessingscher dialektik
+++ radikale textfassung zeigt kämpferischen nathan
+++ inszenierung in anlehnung an den film noir
+++ blitzschnelle figurenwechsel
+++ Komik
+++ Musik
+++ 100% live
Befand sich Lessing alter Ego «Nathan» nicht in permanenter Auseinandersetzung mit der Unvernunft?
Hatte man ihm nicht einen Maulkorb umgebunden?
Würde uns Lessing, wenn er wiederkehrte, nicht den Kampf ansagen, wenn er feststellen müsste, dass man ihn als einen Virtuosen der Toleranz auf dem Sockel bürgerlichen Gutmenschentums der Langeweile preisgibt?
Credits
Spiel: Christina Kraft, Thomas Kressmann, Utz Pannike
Regie: Carsten Ludwig
Bühne: Odette Lacasa, Martina Lebert
Diese Inszenierung ist 2009 mit dem Heidelberger Theaterpreis ausgezeichnet worden.
Sie wird in großen und kleinen Theatern gespielt – eignet sich aber auch hervorragend für mobile Schulaufführungen in der Aula oder in einem angrenzenden Spielort/Theater.
Gefördert durch: Kulturstiftung Sachsen und Kulturstiftung der Stadtsparkasse Dresden.
“Ringparabel mit Musik – »Nathan« zu dritt im Projekttheater
Es klingt ganz einsichtig, wenn der Nathan-Darsteller sich die Gitarre umhängt und dem Sultan Saladin und seiner Schwester Sittha swingend die zentrale Botschaft des Stückes, die Ringparabel vermittelt, worauf beide Partner schließlich mit Zupfbass und Schlagzeug einstimmen…
Diese etwas ungewöhnliche Lesart kann man im Projekttheater hören und besehen: Das Panische NotTheater spielt Lessings Dramatisches Gedicht in einer Fassung für drei Schauspieler Utz Pannike, Christina Kraft und Thomas Kressmann in 1 Stunde und 20 Minuten. Mit kleinen Verwandlungen werden alle neun Rollen besetzt. Wichtige inhaltliche Akzente werden gesetzt: Daja z.B. wird abwechselnd von allen drei Schauspielern gegeben.
Vorher fragt man sich: geht das überhaupt? Und hinterher reibt man sich die Augen (und eigentlich auch die Ohren), was da an konzentriertem Spiel, an ebenso konzentriertem Text alles herüberkommt.
Ich glaubte meinen Lessing zu kennen, aber in dieser Fassung nahm ich deutlicher als sonst die scharfe Dialektik, die wohl gesetzten Worte, Halbsätze und Sätze Lessings wahr. Lag es an der größeren Nähe der Schauspieler in dem kleinem Raum, lag es an der großen Präzision und Lebendigkeit des Spiels, an der Wandlungsfähigkeit der Schauspieler – trotz der Kürzungen fehlt nichts, das dem Drama die Spannung nahm.
Regisseur Carsten Ludwig, ausgewiesen durch Inszenierungen, die aus dem gewöhnlichen Rahmen fallen, die ungewöhnliche Beziehungen zwischen scheinbar unvereinbaren Zuständen herstellen, hatte mit dieser Fassung auch eine „aufklärerische“ Absicht verwirklicht: Sein Nathan grummelt nicht Sentenzen von Toleranz und Weisheit in seinen Bart, sondern ist ein Suchender, Getriebener, der sich in einer schwierigen Umwelt und in ausufernden Situationen behaupten muss.
Immer wieder auch gibt es Ruhepunkte in temperamentvollen Spiel, die nicht mit beliebigen Geräuschen, sondern mit Live-Musik durch die Darsteller ausgefüllt werden. Da gibt es Lieder, kurze Gitarrensoli oder Instrumentalstücke zu dritt, alles im leichten Swing. Auch der Stil dieser Musikeinlagen dient dazu, dem Dramatischen Gedicht eine 200 Jahre alte Schwere zu nehmen – ein gelungener Theaterabend. Nach der Sommerpause wird es weitere Aufführungen im Projekttheater geben.
— Reiner Zimmermann, Musik in Dresden 01.06.2009:




