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Keine Garantie für Prophezeiungen
Panisches NOt-Theater zeigt im projekttheater Shakespeares Macbeth als Hexentanz
Mit dem falschen Bein aufgestanden trottet man in den grauen Alltag hinein,
fühlt sich unmotiviert und kraftlos. Lies das Horoskop, sagt eine innere Stimme.
Und da steht : "Sie fühlen sich heute etwas unmotiviert und kraftlos,
mit dem falschen Bein aufgestanden." Wow, woher wissen sie das? " Klären
sie ein Missverständnis zügig auf." Wo finde ich jetzt so schnell ein
Missverständnis? Noch beeindruckender sind die Jahreshoroskope. Da weiß
man schon im Voraus, zu welcher Jahreszeit das Einschleimen beim Chef lohnt und wann
die große Liebe an die Tür klopft. Wanga, eine sagenumwobene
südeuropäische Wahrsagerin soll ihren Kunden mit Vorliebe ihr Todesdatum
prophezeit haben.
Muss ein komisches Gefühl sein, mit dem eigenen Todesschein in der Seele
weiterzuleben — manches dürfte einem sinnlos erscheinen. Wie Shakespeares Macbeth,
der am Ende erkennt: "Leben ist nur ein wandelndes Schattenbild, / Ein armer Komödiant,
der spreizt und knirscht / Sein Stündchen auf der Bühn und dann nicht mehr /
Vernommen wird." Und wer ist Schuld am ganzen Macbeth-Schlamassel? Sein
Hexen-Horoskop. Zuerst sagen die drei Weiber, er würde zum Than von Cawdor geadelt
und König von Schottland werden. Prompt kommt ein Bote und verkündet, Macbeth
sei zum Than von Cawdor ernannt worden, weil der bisherige Träger des Titels es sich
mit dem König verscherzt hat.
Also mal so unter Horoskopgläubigen: bekommt man da nicht ein bisschen Lust, auch
König zu werden? Man braucht nur die eine Kleinigkeit von aktuellem König zu
beseitigen, die geschäftstüchtige Gattin ist auch dafür.
Und am Ende kommen die Hexen wieder und prophezeien dem von Opfer-Halluzinationen
gebeutelten Macbeth, dass er nichts zu befürchten habe, bis der Wald von Birnam
auf sein Schloss hinziehe. Zudem könne kein Mann ihn töten, der von einer Frau
geboren worden sei. Na also! Aber auch hier gilt die Regel: Lies bei Horoskopen auch
zwischen den Zeilen! Denn Herausforderer Macduff kam dummerweise durch Kaiserschnitt auf
die Welt und die englischen Soldaten tarnen sich mit Zweigen und bewegen sich so als Wald
auf Macbeths Schloss zu. Gemein ist das! Aber "fair is foul and foul is fair",
das Schöne ist hässlich, das Hässliche schön — sagen die Hexen und
meinen: Nichts ist so wie es scheint, wir übernehmen keine Garantie.
Den Text großügig gekürzt, die handelnden Personen
(bei Shakespeare mehr als zwei Dutzend) reduziert und den Rest auf drei Mitwirkende
verteilt — das ist nur ein Teil der Maßnamen, die vom Panischen NOt- Theater
um Utz Pannike ergriffen wurden, um dem düsteren Macbeth-Werk eine gewisse Leichtigkeit
zu verleien. Die Inszenierung in der Regie von Viktor Tremmel feierte nun im
projekttheater Premiere. Die Bühne von Odette Lacasa ist quasi die nackte Bühne
vom projekttheater, beseelt durch ein gutes Lichtkonzept und ergänzt durch die ein
paar Requisiten, die alle Platz in den Hexentaschen finden. Und manchmal ist es eben gut,
wenn das Geld nicht mal für Kostüme reicht, so dass man sich über den
schwarzen Rollkragenpullover bloß einen Sack mit einem Loch für den Kopf
drüberstülpt. So können Julia Amme, Thomas Kressmann und Utz Pannike mit
einer Handbewegung als Hexe aus der Szene hinaus oder in die Szene hineinschleichen, wo
sie Sekunden vorher mit rotem Tuch oder Krone, rotem Gürtel oder Kopfverband Macbeth,
Lady Macbeth oder Macbeth Vertrauter Banquo gewesen sind.
Es ist alternatives Theater im schönen Sinne des Wortes, das hier geboten wird.
Und es ist ein Spiel — jeder darf mal Macbeth sein. Utz Pannike übernimmt auch mal
kurz den Part von Lady Macbeth. Ein paar Augenzwinkereien sind schon dabei, doch der
Grundton ist ernst — das wirkt dicht und unterhaltsam. Die Figuren sind nicht
dramatisch, sondern eitel und dadurch manchmal komisch. Und wenn Thomas Kressmann als
Macbeth doof ins Publikum guckt, wenn er erfährt, dass er zum Than ernannt wurde
— sieht er
bloß aus wie ein armer Superstar-Kandidat, der erfährt, dass er eine Runde
weiterkommt. Klasse ist auch Julia Amme — mal zahm, mal eine Furie mit
kräftiger Stimme.
Wer also am Wochenende in seinem Horoskop irgendwas findet, sollte nicht zögern und
ins projekttheater gehen. Dort gibt es die passende Erhellung zur Adventszeit. Apropos
Erhellung: Ist Fotografieren während der Vorstellung eigentlich erlaubt?
Zur Premiere jedenfalls blitze es immer wieder — was die Atmosphäre der diesigen
Hexenküche schon störte.
Bistra Klunker DNN 8.12.2007
Märchenhaftes Chaos
Es waren einmal zwei Männer. Die hatten sich sehr lieb,
waren aber Brüder und teilten zwar das Zimmer, aber nicht das Lager.
Eines Nachts, als sie mal wieder in ihren Betten liegend gelesen hatten,
konnte der eine nicht einschlafen und animierte seinen Bruder zum Spiel.
Später irgendwann müssen sie ihre Einfälle geordnet und gesammelt haben.
Entstanden so die 1812 erstmals als Buch erschienenen "Kinder- und
Hausmärchen, gesammelt durch die Brüder Grimm"?
In der neuen Inszenierung "Grimm & Grimm " des Panischen NoTheaters liegen zu
Beginn jedenfalls zwei Männer im Bett und lesen. Es sind die beiden
"Märchenonkel" Jörg Isermeyer und Utz Pannike. Es könnten natürlich auch
zwei Kinder sein, die munter drauf los spielen. Nicht ganz zwei Stunden
später ist das Zimmer verwüstet, herrscht eine Unordnung, die man aus
Kinderzimmern kennt. Doch hier ist das Chaos, anders als bei diversen
Schreibtischtätern, gelegentlich tatsächlich mal der Kreativität geschuldet.
Märchenkenntnisse sind im projekttheater von Vorteil, aber nicht notwendige
Voraussetzung, um diesen dunklen Kinderfantasien etwas abgewinnen zu können.
Zwar werden die Grimmschen Vorlagen zertrümert wie häufig die Klassiker in
einigen Schauspielhäusern, aber diese Form von Regietheater ist weder öde
noch nervend.
Isermeyer und Pannike spielen sich quer durch die Dialekte, schlüpfen in die
ulkigsten Kostüme, haben keine Scheu, auch den bizarrsten Einfällen nachzugeben,
eine Fliegenklatsche zum Reichsapfel mutieren zu lassen. Jacob und Wilhelm Grimm
wollten nicht nur der Geschichte der Poesie und Mythologie einen Dienst erweisen,
sondern bewirken, dass die Poesie, die in ihren Märchen immer noch lebendig ist,
"erfreue, wen sie erfreuen kann". Isermeyer und Pannike setzen mehr auf Spaß als
auf Poesie - erfreuen tut ihre Lesart der Märchen aber auch.
Wir sind Papst, die beiden sind in ihrer kindlichen Spiellust zudem König (auch wenn
sie dann feststellen müssen, dass es nur einen geben kann), sind Müllerstochter und
Prinz, Hänsel und Gretel, die von ihrer unheimlichen Begegnung im Wald mit der sie
befingernden Hexe in einem Metal-Rap gröhlen. Frank und frei wird zudem assoziiert und
persifliert. Ein König erinnert wägen seines harrrten doitschen Tonfalls an einen
ainstigen
Föhrer ont Rrreichskanzler, ein verwachsener Zwerg, der wahrgenommen und geliebt werden will,
aber nicht wird und schon mal in Shylock-Manier klagt: "Wenn ihr uns stecht, bluten wir nicht?"
Ein Akteur ist auch mal nicht Fisch, sondern Fleisch mit Flosse drauf, ein verwunschener Prinz,
der aber vom Fischer bestialisch mit der Säge bearbeitet wird, dass das Blut, naja,
das Ketchup spritzt. Grund für das Kettensägenmassaker? Der Fänger will seine Ruhe
haben, sine fru die Isebill würde in ihrer Gier seinen Frieden nur stören. Das Angeln
wird als das erkannt, was es ist: tätiges Nichtstun. Etwas müsste man tun. Märchen
lesen. Und diese Inszenierung besuchen. Denn wenn sie nicht gestorben sind, dann spielen
sie "Grimm & Grimm" noch einige Zeit weiter.
Christian Ruf DNN 06.05.2006
Wo ist die Moral, wo meine Schattenmorelle?
Eine Kreatur kriecht im projekttheater zwischen die Zuschauerreihen
die Treppe hinunter zur Bühne und kauderwelscht dabei auf Basis der
russischen Sprache.
Im Scheinwerferlicht präsentiert sich die Gestalt
mit Wollmütze Marke "armer Bankräuber" auf dem Kopf und mit weiter
Latzhose, die aussieht wie aus einer Plastikplane genäht. "Unverkennbar"
Büchner, der da vor uns steht: hilflos, suchend, wund analysiert und
nur noch nach Bedarf wichtig. Noch besser: Es ist Georg, der Clown,
der billige Tricks mit zwei Tennisbällen oder zwei Taschentüchern auf
Lager hat, aber auch Revolutionäre, Müßiggänger oder Zukurzgekommene
an der Leine hinter sich herzieht, zur allgemeinen Belustigung. Und
es ist nicht zuletzt der Schauspieler Utz Pannike, der mit der wegen
Krankheit um eine Woche verschobenen Premiere unter der Regie von Steffen
Pietsch "Büchners Kopf" riskiert, um auf Kosten des Dichters eine
"revolutionäre Kaffeefahrt" zu veranstalten. Die bescheidene Botschaft:
Nehmt Büchner nicht allzu ernst, dann begreift ihr ihn vielleicht.
"Wo ist die Moral, wo sind die Manschetten?", fragt der permanent denkende
König Peter in "Leonce und Lena". Nach der Moral wird noch gefahndet
(am Ende heult die Polizeisirene, das Haus ist "umzingelt" und der Mann
flieht), Manschetten trägt eh keiner mehr, dafür kommt die Wahrheit über
die Schattenmorelle ans Licht. Danton ist es, in den sich der Maskenmann
mit Hilfe von Anzug und Baskenmütze verwandelt hat, der die Verkrüppelung
der um Château Morelle angebauten Sauerkirschen-Sorte zu einer schnöden
deutschen "Schattenmorelle" vberballhornt. Oder war's Robespierre? Die
zwei Revolutionäre unterscheidet nämlich nur die Aufstellung der Mütze -
nach vorn gedrückt und darunter grimmig geguckt, das ist der blutrünstige
Robespierre, die Mütze nach hinten geschoben mit den Manieren eines liberalen
"Softies" dazu, das ist der sanftmütigere Danton. Der Disput zwischen den beiden
ist Schwerstarbeit für Utz Pannike - er springt hin und her, schiebt die Mütze
vor und zurück, wechselt zwischen rauem Bass und schmeichelndem Bariton, dass
es einem schwindlig wird. Und er zieht die einzig mögliche Konsequenz: Er lässt
die Streithähne mit ein paar Zuckungen in die eine und in die andere Figur-Richtung
verschmelzen.
Aus und vorbei die Revolution. Zurück bleiben nur die Verwundeten.
Lenz zum Beispiel, in weißer Unterwäsche, die in der Dunkelheit phosphoresziert,
ebenso wie die weiße Mullbinde, die sich der Mann um den Kopf wickelt. Eine zweite
rollt er zu einem Grenzstrich aus. Während Pannikes Stimme per Tonaufnahme Ausschnitte
aus der Erzählung "Lenz" präsentiert, geht und tänzelt Lenz halt "durchs Gebirg",
doch
weit kommt er bekanntlich nicht. Dann ist es wieder vorbei mit dem Ernst, ein müder Clown
übt den Müßiggang, hat keine Ideen mehr, da läuft ein Stummfilmchen, in den er
hineinschlüpft, um als Leonce der offensichtlich verliebten Lena, auf einer Treppe
sitzend mit einem Plüsch-Troll in der Hand, beizustehen. Film aus, genug gelacht,
schon betritt der arme Woyzeck, lediglich mit einer zerschlitzten Unterhose bekleidet,
das mit Kreide markierte Verhörzimmer, ist Mörder und Untersuchungsrichter zugleich,
antwortet brav auf die Fragen, zittert ein bisschen, will ein bisschen Gerechtigkeit.
Der Abend, den Utz Pannike aus Büchner-Material und eigenen Einfällen zusammengemixt hat,
funktioniert wie eine Speise aus Zutaten, die für gewöhnlich nicht kombiniert werden,
aber
an sich harmonieren könnten - sie überrascht, schmeckt aber trotzdem.
Bistra Klunker DNN 25.10.2005
Klassische Schnellküche für Genießer
Man ehrt die Klassiker auch in dem man sich über sie lustig macht.
Sehr lustig das Ganze muß man gesehen haben.
Thomas Fekl DNN
Heldenverkaspern im Schnelldurchlauf
...Im Schnelldurchlauf erzählen, musizieren und spielen sie
sich höchst amüsant und unterhaltsam,
dem schnellen Zeittrend entsprechend, in zwei Stunden durch 2000
Jahre abendländischer Theatergeschichte. Und die Zuschauer
werden von den beiden blitzschnell Rollen und Kostüme wechselnden
Erzkomödianten kräftig in all die tödlichen Macht- und
Liebesdramen, Streits und Zwischenfälle auf und hinter der Bühne
einbezogen. Da wird wild drauflos geflunkert, weggelassen, treffen die klassischen
Dialoge gestrafft und pointiert auf die heutige Zeit. Da bleibt kaum Zeit zum Aufatmen
und gegen Ende wird der Grat zum Nonsens fast überschritten.
Utz Pannike betreibt mit mal vorwitzigem, mal abgebrühtem und hintersinnigem Witz
das Heldenverkaspern von Ödipus, Kreon, Hamlet, Faust, Othello bis Wilhelm Tell.
Die großen, hehren Worte werden zu hohlen Floskeln und Lügen gestraft durch
die aus dem echten Leben gegriffenen Figuren... Dabei ist Jörg Isermeyer ein ebenso
großartiger, wahnwitziger Mitspieler, ob als blinder Seher, Bote oder im Weiberrock
und erzeugt nebenher die schrillsten Klänge. Reichlich Beifall gab es für den
schrägen Klassikexkurs.
Lilli Vostry SZ
"die toten kommen wieder"
feierte am Samstag in der Theaterruine
"St. Pauli" eine mitreißende Premiere.
Deine Ewigkeit kotzt mich an!, schreit Jesus (Utz Pannike) Gott an.
Der Messias hat nämlich die Schnauze voll von der gottgewollten
irdischen Ordnung. So kommt Jesus als Thomas Müntzer,
Anführer des deutschen Bauernaufstandes, auf die Erde zurück,
lehrt Adel und Klerus das Fürchten, stellt die gottgewollte
Ordnung infrage.
Was wie ein Aufruf zur Revolution klingt, gerät bei Utz Pannike
zu einer possenhaften Mischung aus beißendem Sarkasmus und
genialem Slapstick-Humor. Pannike steigert sich beim Kampf gegen die
sprichwörtlichen irdischen "Windmühlenflügel" in Ekstase,
schlüpft in mindestens ein Dutzend Rollen- ist berlinernder Jesus,
sächselnder Revoluzzer, bayerischer Bauer oder schwuler
"Ersatz-Jesus".
Bei der entscheidenden Bauernkriegs-Schlacht um Bad Frankenhausen
treibt er sein Spiel mit bitterer Ironie auf die Spitze:
als "Live Übertragung" eines sportlichen Wettstreits zwischen
einer Profimannschaft (Adelsheer) und Amateuren (Bauern).
Jörg Wienecke Morgenpost 30.Juli 2001
Grabrede oder Spielmannsstück?
Passender hätte man wohl den Ort nicht wählen können:
eine ausgebrannte Kirche, deren Ruinen nun als Theaterräume
dienen. Darin: die Premiere eines Stückes, dass sich
Spielmannsstück nennt und gleichzeitig etwas über die
erhabene Persönlichkeit des Thomas Münzer erzählen will.
Kann das gut gehen?
Utz Pannike, der Akteur des Ein-Mann-Stückes, setzt das fort,
was er in Dario Fo's "Die Geburt des Spielmanns" so kompromisslos
begann; denn ohne alle Zweifel ist er der geborene Spielmann.
In seinem neuen Stück "Die Toten kommen wieder", bei dem
Jörg Isermeyer Regie führte, geht es nun auch wieder um
den erzählenden Außenseiter, der sich, so scheint es
manchmal, nicht genau festlegen mag, ob er nun der Spielmann,
Jesus oder dessen Reinkarnation Thomas Münzer ist, und so
übernimmt er wieder alle Rollen, spielt Gottvater, der sich
Dosenbier trinkend und maulend durch die Kanäle seiner
Schöpfung zappt, spielt den MDR-Reporter, der live vom
Bauernkrieg berichtet und weiß auch immer wieder mit dem
Publikum zu spielen. Nicht Religion als Entertainment sondern
Entertainment als Religion. So schüttelt man Thomas Münzer
im Vorbeigehen zwar die Hand, wer aber historische Detailtreue und
ernsten Nachruf erwartet, sei gewarnt. Denn auch er ist nur ein
Spielmann, wobei das "nur" natürlich in
Gänsefüßchen gehört, denn der Erzähler
ist der eigentliche Schöpfer, der ständige Herr über
Tod und Leben. Das Ergebnis: Eine bunte Melange aus respektloser
Clownerie und, so das Programmheft sehr treffend,
"hanswurstigem Nekrolog", das verbleibende bisschen Ernst
kommt durch die Hintertür. Eine vom Menschen verwurstete Schöpfung
ist das, in dem sich der Zuschauer wiederfinden kann, alles,
was ihm heilig ist, ist seine Couchgarnitur. Doch wehe!
"Ich bin gekommen, um Unruhe zu stiften. Ihr sagt ich bin ein Spinner!
Ich sage ich bin Thomas Münzer. Ihr sagt, ich bin lange tot.
Ich sage euch: Die Toten kommen wieder." Na hoffentlich.
Norbert Seidel Dresdner Neueste Nachrichten 31. Juli 2001
Fo, das ist eine Mischung aus krachlustiger Frontalanmache
des Publikums und politischem
Theater. Nicht anders an diesem Abend. Doch was ist das?
Es wird dunkel und ein Penner
blökt Vokale. Ich bin nicht immer
so gewesen, beruhigt er sein Publikum.
Und er beginnt zu erzählen, wie er ein
erfolgloser Landmann war, den Jesus erwählte,
sein Wort zu künden. Und das ist alles andere
als fade, denn die Bibel ist für Fo
wie das richtige Leben: Hinterlistig.
Pannike,
der umwerfend komisch sein kann, spielt diese Geschichten, von Kain, Abel und dem geklauten
Ersatzstreifen oder vom Stall zu Bethlehem als komische Kabinettstückchen.
Die Heiligen Drei Könige sind ein Trio, bestehend aus einem Altersschwachen,
einem Treudoofen und einem sonnigen Bluesmann.
Pannike spielt sie alle und den, einem bekannten
deutschen Staatsmann nicht unähnlichen Gott, den Teufel
natürlich nur echt als Sachse -, Abraham und Isaak,
nebst Gitarre und Mundharmonika noch dazu.
Nach seinem Reineke - Fuchs - Marathon hat sich der Schauspiel
-Wüterich Pannike nun eine neue Tour de Force ausgedacht,
genauer gesagt eine Spiegelfechterei besonderen Kalibers:
Sie nennt sich "Von Tauben & Hunden & und anderen
Menschen - drei Einakter nach Curt Goetz".
Also los, große Eingangsmusik, etwas blauer Dunst auf die
NOt-Deko - ein Regal aus Pappmache und ein Stuhl, und Auftritt
Schauspieler Pannike als Herr Professor. Stop. Alles zurück.
Auftritt Pannike als Bühnenarbeiter mit Kittel, hat er doch die
Blümchen vergessen.
Aber dann geht's los und einmal aufgetreten gibt's kein Halten,
weder oben noch unten im Parkett. Während Pannike sich durch
die Szenen berlinert, sächselt, spielt, kämpft, chargiert,
brüllt, baggert, dienert, während er als Minna in Ohnmacht
fällt, sich als Vater Sack sogleich wieder wachtröstet,
als Herr Professor um seine Fassung ringt und als schnippische
Frau Professor piepst "Na das kennt man ja",
liegt das Parkett komplett flach und das von Anfang an.
Kein Wunder auch, der Typ ist urkomisch, der Text ist eine
Pointe pro Minute, und die Pointen sind gearbeitet! Man soll's
nicht glauben, aber den Regisseur hat Pannike nicht NOtgespart:
Theo Richtsteiger hat Ahnung von Szenendynamik, Arrangements und
Pointen. Und vor allem, er hat den richtigen Schauspieler.
Chamäleon Pannike kann alles, frei nach dem Motto; "Sach
mir was, ich mach dir das bietet er alles. Ein Erzkomödiant,
zur Zeit ohne Engagement, unglaublich!
K. Holler
(Dresdner Neueste Nachrichten)
Nichts ist so schwer auf dem Theater wie das Darstellen von
Seelenzuständen. Diese seltsamen Schwingungen im Fühlen, die
das körperliche Verhalten in einschneidender Art und Weise
beeinflussen. Das Vibrieren, Schwanken, Abtauchen in Abgründe.
Sich einem solchen Theaterprojekt zu stellen, verlangt Mut und
Sensibilität. Der Schauspieler Utz Pannike besitzt von beidem
genug,
um sich an ein Solo zu wagen, dass Situationen, Einflüsse,
Erscheinungen im Leben der Malerin Elfriede Lohse Wächtler
(18991940) assoziiert. Und betont abgrenzend mit dem Titel
"Ich allein weiß, wer ich bin".
Es spielt weniger oder vielleicht gerade eine Rolle, dass sich da
ein Mann mit einer Frau befasst. Pannike geht es um menschliches
Verhalten unter extrem psychischem Druck, um Verformungen,
Einengungen, wie ein Körper reagiert auf Zwänge von innen
und außen.
Soweit also eine Stückidee, die es in sich hat.
Presse Kindertheater
Leider erscheinen zu Kindertheaterpremieren trotz zahlreicher
Einladungen keine Journalisten, demzufolge sind auch keine
Kritiken zu bekommen. Ich bedauere das, ist aber nicht zu ändern.