Sakrales Schmierentheater,
Figurenjonglage,
Hanswurstiger Nekrolog
Auf der Bühne steht einer, der behauptet Jesus zu sein.
Er hat seinem Vater,
der untätig im Himmel sitzt, den Rücken gekehrt und ist wieder auferstanden.
Doch er macht alles falsch.
Er macht jemanden lebendig, der am liebsten tot bleiben möchte,
gibt einem Krüppel die
Beine wieder, der sie nicht wiederhaben will. Was ist hier eigentlich los auf der Erde,
Anfang 16. Jahrhundert in Deutschland. Haben die Menschen denn das Leben wirklich so satt?
Er geht in sein vermeintliches Zuhause, die Kirche. Dort begegnet er seinem Ebenbild aus Holz,
der die Menschen vertröstet auf ein
glücklicheres Leben nach dem Tod. Sein Platz
auf Erden ist vergeben und er beschließt eine neue
Identität anzunehmen.
Als Thomas Münzer beginnt er an der Ordnung zu rütteln und endet wieder mit
dem Kreuzweg. Er wird enthauptet und sein Kopf wird aufgespießt und
vor den Stadttoren von Mühlhausen zur Schau gestellt. Aber der Kopf kann noch reden:
"Mich kriegt ihr nicht ausgelöscht. Die Toten kommen wieder!"
Einpersonen Improvisationstheaterstück über Thomas Münzer, das sich mit landläufig
als links bezeichneten Ideen auseinandersetzt und die Wurzeln sucht, die Wurzeln jener
revolutionären Träume, die wir lang schon als vergessen vermuten.
Ein Stück Spaß am Widerstand.
Stückidee und Spiel: Utz Pannike
Regie:
Jörg Isermeyer
Premiere: 28.Juli 2001
Theaterruine Dresden