Die Geburt des Spielmanns

 
spielmann

Er überbrückt die Grenzen von Himmel und Erde,
lässt Berge entstehen und Scheißhaufen fliegen,
Gottvater pokern und Sankt Joseph lügen,
Spielt Gitarre und singt bittere Lieder,
verwandelt Tyrannen in Lehm
und belebt sie wieder.

Collage aus Solostücken des italienischen Schauspielers, Stückeschreibers und Theaterleiters Dario Fo. Spielleute waren im Mittelalter die Sprachrohre der einfachen Leute, Vermittler neuester Nachrichten, Übersetzer der in Latein verfassten Mysterien, Unruhestifter und nicht zuletzt als Bettler getarnte Kuriere, zwischen den Bauernheeren der frühbürgerlichen Revolution.
Dieser Tradition folgend erzählt der Spielmann aus biblischen Mysterien und apogryphen Evangelien wie Jesus revolutionärer Kindheit. Spöttischer Witz, ironische Verfremdung und groteske Zuspitzung schlagen Seitenhiebe auf politische und kirchliche Macht. So zeigt der Spielmann den alltäglichen Krieg, jongliert dabei mit Dialekten und Pseudosprachen und stellt nicht selten bis zu hundert verschiedene Personen gleichzeitig dar.
Regie: Max Heller